Schülerarbeitskreis Fogarasch

Im Jahr 2010 wurde der Schülerarbeitskreis Fogaras durch eine gemeinsame Ini­tiative von "Copilul e.V." und der "Evangelischen Kirchengemeinde Fogarasch A.B." ins Leben gerufen. Dieses Angebot richtet sich an Grundschulkinder aus benach­teiligten Familien, die ihre Kinder weder ausreichend bei den Hausaufgaben unter­stützen noch ihnen Nachhilfeunterricht finanzieren können. In vielen Fällen handelt es sich dabei um Roma-Kinder. Ihnen soll durch Bildung ermöglicht werden, im Erwachsenenalter aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen.

Am 14. September 2010 begann die Arbeit der Lehrerin Frau Rozalia Mihu mit dem Nachhilfeprogramm für eine Gruppe von 12 Schülern aus der 2. und 3. Klasse der Doamna-Stanca-Schule. Ab dem zweiten Durchgang konnten bis zu 16 Kinder am Schülerarbeitskreis teilnehmen. Die Kinder erhalten Unterstützung bei den Hausauf­gaben; zur Erholung wird auch gezeichnet, gebastelt, gespielt und Musik gehört. Im Rahmen dieses Programms erhalten die Kinder auch ein Mittagessen.

Im Frühjahr 2015 zeichnete sich ab, dass Frau Mihu, mittlerweile kurz vor ihrer Pen­sion, die durchaus anstrengende Begleitung der Kinder im Schülerarbeitskreis im neuen Schuljahr nicht fortsetzen wollte. Vor der Einstellung einer Nachfolgerin haben wir von Copilul uns gemeinsam mit Pfarrer Johannes Klein von der ev. Kir­chen­gemeinde Fogaras und der Sozialarbeiterin Cipriana Grajdan, Leiterin unserer Mutter-Kind-Gruppen, während unserer Herbstfahrt 2015 intensiv überlegt, wie wir den Schülerar­beits­kreis weiterentwickeln können.

Im bisherigen Angebot lag der Schwerpunkt bei der Anfertigung der Hausaufgaben. Das Programm war insofern erfolgreich, als dass die meisten Schüler/innen ihre Noten verbessern und andere vom Schulschwänzen abgehalten werden konnten. Ein Roma-Mädchen, das zwei Jahre in dem Schülerarbeitskreis gelernt hatte, hat sich zu einer der leistungsstärksten Schülerinnen entwickelt. Doch haben sich im Laufe der Jahre, wie wir bei unseren Besuchen beobach­ten konnten, auch einige Schwächen dieser Vorgehensweise offenbart.

Besonders kritisch er­schien uns die Tatsache, dass durch die vielen Hausaufgaben die Kinder im Schüler­arbeitskreis kaum selbständig arbeiteten. Wenn die Zeit nicht mehr reichte, wurden gegen Ende häufig die fertigen Lösungen an die Tafel ge­schrieben. Der Erwartungsdruck auf die Leiterin von dem Schulleiter, den Lehrern und Eltern war sehr hoch, weil sie dafür sorgen musste, dass jede/r Schüler/in grund­sätzlich alle Hausaufgaben erledigt.

Als Hauptziel für unseren Schülerarbeitskreis hat sich in den letzten Jahren heraus­kristallisiert, das wir damit die beteiligten Kinder zum selbständi­gen Lernen und Ar­bei­ten anleiten wollen. Diese Kompetenz soll es ihnen - möglichst unabhängig von den fehlen­den Chancen im Elternhaus - ermöglichen, ihre Schul- und Berufsaus­bildung erfolg­reich zu durchlaufen. Daher erfolgt die Auswahl der Kinder neben der Be­dürf­tigkeit auch nach dem Kriteri­um der Motiva­tion.

Damit Kinder aus mehreren Schulen teilnehmen kön­nen, müssen sie selbständig zum Schülerar­beits­kreis kommen. Neben dem Mittag­es­sen erhalten sie einen Schreibtisch, an dem sie ihre Hausaufgaben ma­chen kön­nen und sollen. Die Kinder erhalten bei Bedarf individuell Unterstützung bzw. Er­klä­run­gen des Lern­stoffs, den sie im Schulunterricht nicht verstanden haben, von der Leiterin. Es findet also in der Regel kein Frontalunterricht statt. Schüler, die nicht regelmäßig kommen oder nicht motiviert sind, können ausgeschlossen wer­den. In diesem Rahmen sollen die Kinder möglichst lernen, selbst die Verantwortung für ihre Schulbildung zu über­neh­men, weil diese sonst - bedingt durch die Verhält­nisse, in denen die Kinder leben - im Regelfall von niemandem übernommen wird.

Das Projekt steht und fällt mit einer geeigneten Leiterin. Sie sollte vor allem dafür auf­geschlossen sein, den benachteiligten Kindern selbständiges Lernen und Arbeiten zu vermitteln. Außerdem benötigt sie eine gewisse Unabhängigkeit, um mit Lehrern und Eltern zusammenzuarbeiten, andererseits aber auch ihnen die Zielsetzung unseres Projekts zu vermitteln, die sich nicht auf Hausaufgaben beschränkt.

Mit Frau Ileana Ciungan haben wir eine neue Leiterin gefunden, die als sich als engagiert und aufge­schlos­sen für unsere Ideen erwiesen hat. Sie verfügt über Erfahrungen mit After-School-Projekten und neben dem Lehramtsstudium auch über eine Ausbil­dung zur Schnei­derin, so dass sie neben der schulischen Unterstützung mit den Kin­dern auch das Handarbeiten und viele andere lebenspraktische Fertigkeiten vermittelt.